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Trennung und Scheidung

Sie sind verheiratet und möchten sich trennen? Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten: Sie können eine Trennung (Aussetzung des Zusammenlebens), oder eine Scheidung beantragen. Sie finden alle nützlichen Informationen über diese beiden Lösungen und die Schritte, die Sie beim Tribunal de première instance unternehmen müssen, im Folgenden.

Sie möchten getrennt leben?

Getrenntleben: Getrennt leben, ohne sich scheiden zu lassen

Das Getrenntleben erlaubt es, die aus der Ehe resultierenden sozialen und ehelichen Vorteile vorübergehend zu wahren, und offiziell die Zweijahresfrist zu beginnen, nach der die Scheidung einseitig beantragt werden kann.
 

Getrenntleben: Welche Möglichkeiten gibt es?
 

  • Sie können Ihre Trennung, auch ohne Gericht regeln.
     
  • Wenn Sie sich mit Ihrer Ehefrau oder Ihrem Ehemann einig sind, haben Sie die  Möglichkeit, gemeinsam eine Vereinbarung vom Tribunal de première instance genehmigen zu lassen, in der die Modalitäten und Folgen Ihres Getrenntlebens offiziell festgelegt werden (Zuteilung der Wohnung, Schicksal der minderjährigen Kinder (Obhut und Besuchsrecht), Unterhaltsbeiträge usw.).
     
  • Im Falle einer konflikthaften Trennung können Sie bei Gericht einseitig Massnahmen zum Schutz der ehelichen Gemeinschaft beantragen. Die Richterin oder der Richter wird dann die Trennung durch Urteil verkünden und im Wesentlichen regeln:
    • Die Zuteilung der Wohnung und des Mobiliars der Familie
    • Die Zuteilung der Obhut für das minderjährige Kind oder die  minderjährigen Kinder und die Modalitäten der Ausübung des Besuchsrechts
    • Die Festsetzung eines Unterhaltsbeitrags zugunsten des Kindes oder der Kinder und der Ehefrau oder des Ehemanns

 

Wie werden Sie, im Falle eines Konflikts, bei Gericht vorstellig?
 

Schritt 1: Antragstellung

Sie müssen Ihren Antrag schriftlich abfassen und ihn an das Tribunal de première instance richten und zwar per Post oder durch direkte Hinterlegung am Schalter des Gerichts oder bei der Greffe universel, in zweifacher Ausfertigung (in dreifacher Ausfertigung, wenn Sie ein minderjähriges Kind oder mehrere minderjährige Kinder haben). Er muss in französischer Sprache verfasst und unterzeichnet sein.

Sie können auch das vom Bundesamt für Justiz bereitgestellte Standardformular verwenden.

Ihr Begehren sollte detailliert enthalten:

  • Was Sie erreichen wollen (Trennung, Zuteilung der Wohnung, Schicksal der Kinder (Obhut und Besuchsrecht), Unterhaltsbeiträge usw.)
  • Die mit Ihrer Klage im Zusammenhang stehenden Tatsachen

Sie können selbstständig handeln oder eine Anwältin, einen Anwalt oder einen juristischen Bereitschaftsdienst hinzuziehen.
 

Schritt 2: Zahlung eines Kostenvorschusses

Sie werden gebeten, eine Kostenvorschuss zu leisten. Der Betrag kann zwischen Fr. 200.- und Fr. 2'000.- variieren, je nach Komplexität des Falles und der Rechtsbegehren (Höhe des Unterhaltsbeitrages oder der Unterhaltsbeiträge und andere Massnahmen).

Wenn Ihre Mittel zur Verteidigung Ihrer Interessen nicht ausreichen, können Sie unentgeltliche Rechtshilfe beantragen.

 

Schritt 3: Teilnahme an einer Anhörung

Im Prinzip lädt das Gericht Sie zu einer Anhörung vor, zu der Sie und Ihr Ehepartner persönlich erscheinen.

Das Gericht versucht dann, Sie zu einer Einigung zu bringen. Gelingt dies nicht, entscheidet es über die verschiedenen einzurichtenden Massnahmen (z. B. Trennung, Zuteilung der Wohnung, Schicksal der Kinder (Obhut und Besuchsrecht), Unterhaltsbeiträge usw.).

Das Gericht kann den Zeitpunkt der Trennung der Eheleute festlegen, wodurch die Zweijahresfrist in Gang gesetzt wird, nach der die Eheleute die Scheidung einseitig einreichen können.

Wenn Sie über die Obhut oder das Besuchsrecht bezüglich Ihrer minderjährigen Kinder streiten, kann das Gericht beschliessen, einen Bericht des Dienst zur Bewertung und Begleitung der elterlichen Trennung (SEASP) einzuholen.

Je nach Fall kann das Gericht auch beschliessen, das minderjährige Kind oder die minderjährigen Kinder persönlich anzuhören.

 

Schritt 4: Erhalt des Entscheids

Der Entscheid der Richterin oder des Richters wird Ihnen per Post zugestellt, gegebenenfalls über Ihren Rechtsbeistand (Anwältin oder Anwalt, juristischer Bereitschaftsdienst).

Möchten Sie die Scheidung?

Die Scheidung und ihre Folgen

Bitte beachten Sie, dass, wenn Sie sich nicht einig geworden sind, die Scheidung erst dann ausgesprochen werden kann, wenn Sie 2 Jahre lang getrennt gelebt haben (ausser in sehr aussergewöhnlichen Fällen).
 

Welches sind die wichtigsten Auswirkungen einer Scheidung?

  • Zuteilung der Familienwohnung
  • Festsetzung eines Unterhaltsbeitrags zugunsten eines der Eheleute
  • Aufteilung der Guthaben aus der beruflichen Vorsorge (2. Säule)
  • Auflösung der vermögensrechtlichen/finanziellen Verhältnisse zwischen den Eheleuten (des Güterstandes)

Wenn Sie ein minderjähriges Kind oder mehrere minderjährige Kinder haben, wird die Scheidungsrichterin oder der Scheidungsrichter auch die folgenden Fragen regeln:

  • Zuteilung der elterlichen Sorge
  • Zuteilung der Obhut für das minderjährige Kind oder die minderjährigen Kinder und Regelung der Modalitäten der Ausübung des Besuchsrechts
  • Aufteilung der Bildungsprämie (AVS)
  • Festsetzung des Unterhaltsbeitrags oder der Unterhaltsbeiträge zugunsten des minderjährigen Kindes oder der minderjährigen Kinder

Bitte beachten Sie, dass die gemeinsame oder geteilte elterliche Sorge die Regel ist, und dass häufig eine alternierende Obhut (z. B. eine Woche bei jedem Elternteil) angeordnet wird.

 

Die verschiedenen Arten von Scheidungsverfahren

Es gibt 2 Arten von Scheidungsverfahren:

  • Scheidung auf gemeinsames Begehren, wenn Sie beide die Scheidung wünschen:
    • Bei umfassender Einigung, wenn Sie sich über alle Folgen der Scheidung einig sind
    • Bei einer Teileinigung, wenn Sie sich hinsichtlich der Scheidung einig sind, sich aber nicht über alle Modalitäten der Scheidung einigen konnten
       
  • Scheidung auf einseitiges Begehren, wenn nur einer der Eheleute die Scheidung wünscht

Ehescheidung auf gemeinsames Begehren: zu beachtende Schritte
 

Sie einigen sich mit Ihrer Ehefrau oder Ihrem Ehemann darauf, sich scheiden zu lassen.
 

Schritt 1: Antragstellung

Sie müssen Ihren Antrag schriftlich entweder per Post an das Tribunal de première instance richten, oder ihn am Schalter des Gerichts oder der Greffe universel hinterlegen. Er muss in französischer Sprache verfasst und von Ihnen und Ihrer Ehefrau oder Ihrem Ehemann oder Ihrem Rechtsbeistand unterzeichnet sein.

Sie können auch das vom Bundesamt für Justiz zur Verfügung gestellte Standardformular verwenden.

Ihrem Begehren ist eine vollständige Vereinbarung beizufügen, in der die Folgen der Scheidung, einschliesslich des Schicksals der Kinder, geregelt sind:

  • Die Zuteilung der Familienwohnung
  • Das Schicksal der Kinder (elterliche Gewalt, Obhut und Besuchsrecht)
  • Beiträge zum Unterhalt des Kindes oder der Kinder
  • Die Verteilung der Bildungsprämie (AVS)
  • Der Beitrag der Ehepartnerin oder des Ehepartners
  • Die Auflösung des ehelichen Güterstands
  • Die Zuteilung der Guthaben der beruflichen Vorsorge (2. Säule)

Sie können selbstständig handeln, eine Anwältin oder einen Anwalt, oder einen juristischen Bereitschaftsdienst hinzuziehen.
 

Schritt 2: Zahlung eines Kostenvorschusses

Sie werden gebeten, einen Kostenvorschuss von Fr. 600.- zu leisten (Art. 29 RTFMC).

Wenn Ihre Mittel zur Verteidigung Ihrer Interessen nicht ausreichen, können Sie unentgeltliche Rechtshilfe beantragen.

 

Schritt 3: Teilnahme an der Anhörung

Das Gericht wird Sie und Ihre Ehepartnerin oder Ihren Ehepartner zusammen vorladen und Sie getrennt anhören, um sich zu vergewissern, dass Sie Ihren Antrag und Ihre Vereinbarung nach reiflicher Überlegung und aus freiem Willen gestellt haben.

Das Gericht kann Sie auch zum Inhalt Ihrer Vereinbarung befragen, insbesondere zu den Punkten, die die Kinder betreffen.

Wenn es keine Streitpunkte mehr gibt, verkündet das Gericht die Scheidung und genehmigt die Vereinbarung über die Folgen der Scheidung.

 

Schritt 4: Erhalt des Urteils

Das Urteil wird Ihnen per Post zugestellt, gegebenenfalls über Ihren Rechtsbeistand (Anwältin oder Anwalt, juristischer Bereitschaftsdienst).

Ehescheidung auf einseitiges Begehren: Zu beachtende Schritte
 

Sie möchten sich scheiden lassen, aber Ihre Ehefrau oder Ihr Ehemann ist dagegen.

Sie können die Scheidung einseitig einreichen, vor allem, wenn:

  • Sie zum Zeitpunkt der Hinterlegung Ihres Begehrens bei Gericht bereits seit 2 Jahren getrennt leben

Schritt 1: Antragstellung

Sie müssen Ihren Antrag schriftlich verfassen und ihn an das Tribunal de première instance richten, oder ihn direkt am Schalter des Gerichts oder bei der Greffe universel, in zweifacher Ausfertigung (bei minderjährigen Kindern, in dreifacher Ausfertigung) hinterlegen. Er muss in französischer Sprache verfasst und unterzeichnet sein.

In diesem Begehren sollten alle Einzelheiten aufgeführt werden:

  • Was Sie erreichen wollen (Scheidung, Zuteilung der Wohnung, Schicksal der Kinder, Unterhaltsbeiträge für das minderjährige Kind oder die minderjährigen Kinder sowie für Sie selbst, Zuteilung der Bildungsprämie (AVS), Auflösung des ehelichen Güterstandes, Zuteilung der Guthaben der beruflichen Vorsorge (2. Säule)).
  • Den Sachverhalt, auf den sich Ihr Antrag bezieht. Fügen Sie möglichst viele Belege bei, die diesen Sachverhalt stützen.

Schritt 2: Zahlung eines Kostenvorschusses

Sie werden aufgefordert, einen Vorschuss von mindestens Fr. 1‘000.- zu zahlen, dessen Höhe sich nach der Komplexität des Falles und den Schlussanträgen (Höhe des Unterhaltsbeitrags oder der Unterhaltsbeiträge und anderer Massnahmen) richtet (Art. 30 RTFMC).

Wenn Ihre Mittel nicht ausreichen, um die Verteidigung Ihrer Interessen zu gewährleisten, können Sie unentgeltliche Rechtshilfe beantragen.

 

Schritt 3: Teilnahme an der Anhörung

Das Gericht wird Sie und Ihre Ehegattin oder Ihren Ehegatten zu einer Schlichtungsanhörung vorladen, vor allem um zu versuchen, eine Einigung über die Scheidungsfolgen zu finden.

Kann keine Einigung über die Scheidungsfolgen erzielt werden, wird das Verfahren fortgesetzt, und das Gericht gibt Ihrer Ehegattin oder Ihrem Ehegatten Gelegenheit, sich schriftlich zu Ihrem Begehren zu äussern.

Wenn Sie über die Obhut für Ihr minderjähriges Kind oder Ihre minderjährigen Kinder oder über die Ausübung des Besuchsrechts streiten, kann das Gericht beschliessen, einen Bericht des Dienst zur Bewertung und Begleitung der elterlichen Trennung (SEASP) einzuholen.

Das Gericht kann eine Beiständin oder einen Beistand zur Vertretung des Kindes bestellen (Vertretungsbeistandschaft).

Siehe diese Frage/Antwort

 

Schritt 4: Erhalt des Urteils

Das Urteil wird Ihnen per Post zugestellt, gegebenenfalls über Ihren Rechtsbeistand (Anwältin oder Anwalt, juristischer Bereitschaftsdienst).

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Hinterlegung der Begehren auf superprovisorische Massnahmen oder Arrest beim Tribunal de première instance

Bitte informieren Sie zuvor die Kanzlei unter
T. +41 22 327 66 80

Öffnung des Schalters bis spätestens 17h
(Gilt nur für superprovisorische Massnahmen, Arreste und Schutzschriften)

Schreiben Sie uns

Tribunal de première instance
Case postale 3736
1211 Genève 3

Fragen/Antworten

Sie können das Tribunal de première instance von Genf anrufen, wenn Sie und/oder Ihre Ehegattin oder Ihr Ehegatte in Genf wohnhaft sind.

Nein, das müssen Sie nicht. Dies ist jedoch sehr zu empfehlen, insbesondere wenn Sie mit Ihrer Ehepartnerin oder Ihrem Ehepartner uneinig sind und der Fall komplex ist.

Sie können auf die Liste der Anwältinnen oder der Anwälte und juristischen Bereitschaftsdienste in Genf zugreifen.

Das Gericht entscheidet von Fall zu Fall, ob die Kinder persönlich angehört werden.

Am Ende der abschliessenden Anhörung kann das Gericht Sie auffordern, zwischen 2 Arten von Entscheidungen zu wählen:

  • Ein Urteil ohne Begründung: Der Entscheid enthält nur den Tenor des Urteils, d. h. die Lösung des Rechtsstreits.
  • Ein begründetes Urteil: In dem Dokument werden die Gründe dargelegt, die die Richterin oder den Richter zu ihrem/seinem Entscheid veranlasst haben.

Ein begründetes Urteil kostet mehr als ein nichtbegründeter Entscheid.

Siehe auch

Tribunal de protection de l'adulte et de l'enfant

Das Tribunal de protection de l'adulte et de l'enfant gewährleistet den Schutz der Menschen während ihres gesamten Lebens, von der Kindheit über das Erwachsenenalter bis hin zur Erbschaft. Es wird tätig, wenn in der Familie, bei Verwandten oder anderen Institutionen, die Hilfe leisten können, keine zufriedenstellende Lösung für die betroffene Person gefunden werden konnte.

Unentgeltliche Rechtspflege

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Juristischer Bereitschaftsdienst und Rechtsberatung

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